Buckelrinder, Naturwein und ein 9 Jahre altes Huhn namens Susi

Behutsam gepflegte Beziehungen, Gäste die zu Freunden geworden sind und ein gehöriges Maß an Leidenschaft, entspannter hätte unser drittes "rare and real" gar nicht sein können. womit wieder einmal eindrucksvoll bewiesen wäre: essen in seiner schönsten form verbindet.

Familie Muster, Manuel Liepert und Christian Strohmaier 

Familie Muster, Manuel Liepert und Christian Strohmaier 

"Unsere Hühner werden fast sechs mal so alt wie andere Hühner", erzählt uns Gertrude Strohmaier, als sie uns am Nachmittag in den Stall ihrer Sulmtaler führt. "Das ist Susi", sagt sie und zeigt dabei auf eine 9 Jahre alte Henne mit immer noch prächtigem Federkleid. Sie ist die Rangälteste und sie ist es deshalb auch, die die 400 sorgsam aufgezogenen Sulmtaler Küken das erste Mal ins Freie begleitet. Was Susi sagt ist Gesetz und sorgt gemeinsam mit etwa 15 Hähnen für Ordnung im Stall. "Das ist in Zeiten der Stallpflicht umso wichtiger", sagt sie und freut sich schon auf den Moment, wo die Tiere endlich wieder den saftig grünen Auslauf bevölkern dürfen. Aber Sicherheit geht eben vor, und so versucht man die Tiere erst einmal im Stall bei Laune zu halten. Familie Strohmaier ist nur einer von vielen Lieferanten südlich des 47. Breitengrades, ihr bedingungsloser Qualitätsanspruch und ihre Leidenschaft stehen im Mittelpunkt unseres dritten "Rare and Real". Denn ohne die begeisterten Rinder- und Fischzüchter, Gemüsebauern, Hühnerhalter und Winzer, wäre das was später auf die Teller und in die Gläser unserer Gäste kommt erst gar nicht möglich.

Ein besonderer Abend im Rückblick ...  

Sulmtaler Hühner ohne Familie Strohmaier? Undenkbar!

Sulmtaler Hühner ohne Familie Strohmaier? Undenkbar!

17:45: In der Küche des Pfarrhof läuft es rund, schließlich haben Tom Riederer und Manuel Liepert in der Vergangenheit bereits viele gemeinsame Stunden am Herd verbracht. Es bleibt also genug Zeit, sich den soeben eintreffenden Freunden und Partnern zu widmen. Den Winzern Rainer Warga-Hack und Karl Schnabel, dem Zebu-Rinderbauern Hans Muster, dem Gleinstättner Fischzüchter Muchitsch und dem Gemüsebauer Werner Kölbl. Aus über die Jahre gepflegten Beziehungen sind Freundschaften entstanden, wurden Produkte entwickelt und sind Bedürfnisse auf wechselseitiges Gehör gestossen. In diesem Sinne steht man heute gemeinsam im Weinkeller des Pfarrhof und kostet ein erstes Glas Wermut von Rainer Warga-Hack. 

18:30: Die ersten Gäste treffen ein und gesellen sich im Weinkeller zu den anderen. Bevor sich Tom und Manuel endgültig in die Küche verabschieden, erzählen sie nochmals von der Idee von 47 Grad und darüber, dass wenn landwirtschaftliche Produktion und Kochkunst aufeinander treffen, wahrhaft Großes entstehen kann. 

Das Sausal - fruchtbar und tiefgründig

Das Sausal - fruchtbar und tiefgründig

19:00: Die Küche grüßt mit geraspelter Entenleber und Holunder, um dann den ersten süß-sauren Gang aus Süßkartoffel und Feta zu servieren. Die Süßkartoffeln kommen vom Gleinstättner Werner Kölbl, der sich seit 2002 insbesondere auf den Anbau verschiedener seltener Kartoffelsorten und Spargel spezialisiert hat. Rene Kollegger schenkt dazu einen maischevergorenen Sauvignon Blanc von Warga-Hack aus 2013 ein. Weiter geht es mit einem Sulmtaler Ei der Familie Strohmaier, Karfiol und Spinat. Dazu gibt es einen für das Sausal so typischen Riesling der Lage Pistor. "Bis 2014 war das keine einfache Lage", erzählt uns Rainer Warga-Hack. "Die Terrassen auf dem Demmerkogel vertragen keine Bewässerung, weshalb das bis 2013 unser schwierigster Boden war". Seit 2014 habe man aber Kontinuität erreicht und einen spannenden Riesling in die Flasche gebracht. So hat jeder Wein seine ganz eigene Geschichte, eine die im Glas spürbar wird und weshalb man "schwierigen" Weinen immer auch die Chance auf Entwicklung geben muss. Das Ergebnis gibt uns auch beim dritten Wein des Winzers recht, einem Sauvignon aus über 40 Jahre alten Reben, den uns Rene Kollegger zu einer spannenden Interpretation des steirischen Ritschert reicht.

20:30: Wir bleiben beim Wein des Sausal und bei einem seiner herausragenden Winzer. Auch wenn die Steiermark nicht gerade als Rotweinland bekannt ist, Karl Schnabel versteht es außergewöhnliche Rotweine zu machen. "Meine Weine sind atypisch, feingliedrig und unberührt. Trends interessieren mich nicht", sagt er. Und das obwohl seine maischevergorenen, unfiltrierten und ungeschwefelten Weine derzeit überaus im Trend liegen. Es ist der Sausaler Boden den man in ihnen wiederfindet, der unterliege eben keinem Trend sondern sei schlicht Ausdruck der Heimat. Die Heimat von Zwergzebu-Züchter Hans Muster ist das Grenzland, weshalb seine Rinder gleichzeitig in Slowenien und in der Steiermark weiden. Würdevolle Tiere mit Hörnern und dem für sie so typischen Buckel. "Zebus sind die perfekten Landschaftspfleger und haben dabei eine außergewöhnliche Fleischqualität", erzählt er uns mit immer noch leuchtenden Augen. Davon können sich die Gäste bei geschmortem Rind, Wurzelgemüse und Sellerie auch gleich selbst überzeugen. Zum Abschluss gibt es Käse von der Dorfkäserei Deutschmann und einen 10 Jahre im Eichenfass gereiften Weinbrand von Karl Schnabel. Wer ganz genau hinschmeckt, kann in ihm die Pinot Noir Trauben (Karl nennt sie übrigens ob ihrer Eleganz die Queen aller Trauben) erahnen. 

23:30: Zufriedene Gäste, glückliche Köche und neu geknüpfte Bande. So schmeckt das Leben südlich des 47. Breitengrades. Wir sind stolz Teil davon zu sein. 

Die kulinarischen Erben